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Dr. Markus Schürer

Mit einem Feodor-Lynen-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördertes Projekt:

Die Enzyklopädie zwischen mittelalterlicher Naturkunde und Renaissance-Biographik: Untersuchungen zum Fons memorabilium universi des Domenico Bandini

Domencio Bandini, um die Mitte der 1330er Jahre in Arezzo geboren und 1418 ebendort gestorben, war ein Protagonist des Florentiner Renaissance-Humanismus aus, so könnte man sagen, der zweiten Reihe. Er war Lehrer der Rhetorik und Grammatik vorrangig in Florenz, aber auch in Bologna, Arezzo und Città di Castello und verfasste in diesen Fächern eine Reihe von Lehrwerken. Zudem stand er im Kontakt mit Francesco Petrarca und dem gelehrten Kreis um Francesco il Vecchio da Carrara und war Freund und Briefpartner Coluccio Salutatis.

An seinem Hauptwerk, dem Fons memorabilium universi, arbeitete Bandini von den 1370er Jahren an bis zu seinem Tod, also fast sein gesamtes Gelehrtenleben lang. Der Fons, der einen geradezu monströsen Umfang hat, stellt in gattungsmäßiger Hinsicht eine Hybride dar. Einerseits ist er eine Enzyklopädie im Stile der de natura rerum-Betrachtung, bei deren Kompilation Bandini sich vor allem an Bartholomäus' Anglicus De proprietatibus rerum orientierte. Andererseits enthält er je eine biographische Sammlung zu männlichen und weiblichen Figuren, die Bücher De viris claris und De mulieribus claris. Diese beiden Bücher, die zusammen etwa die Hälfte des Fons ausmachen, gehören aufgrund ihres Umfanges, der formalen und inhaltlichen Elaborierung sowie des ihnen zugrundeliegenden Ordnungsprinzips zum Bedeutendsten, was an kompilatorischer Biographik am Übergang von Mittelalter und Früher Neuzeit überliefert ist. Sie sind das Ergebnis eines groß angelegten Versuches, das verfügbare biographische Wissen der Zeit zusammenzuführen und neu zu ordnen.

Gegenstand des Forschungsprojekts sind der Fons und sein Autor, wobei vor allem die Bücher De viris claris und De mulieribus claris von Interesse sind. Es geht also in erster Linie um Bandinis biographisches Darstellen, dies selbstredend mit synchron und diachron vergleichendem Blick auf die Tradition der kompilatorischen Biographik lateinischer Sprache. Dabei ist keine Edition des Werkes geplant; vielmehr soll eine monographische Studie erarbeitet werden, die im Rahmen eines Textapparates Teile des Fons verfügbar macht.