
Renaissancemusiktheater mit Studierenden, Ehemaligen und Gästen der Hochschule für Musik und Theater Hannover sowie SchülerInnen der Region Hannover.
Eine Zusammenarbeit des Deutschen Historischen Institut in Rom (Musikgeschichtliche Abteilung) mit der Hochschule für Musik und Theater Hannover, der Fachhochschule Hannover und 7 Schulen der Region Hannover
Förderung durch die Kulturstiftung Region Hannover
Dr. Sabine Meine, Gesamtleitung
Das Projekt zielt auf die Vermittlung der Kultur des Renaissancefestes, in der Musik, Lyrik und Theater unmittelbarer Ausdruck höfischer Repräsentationspolitik sind. Dank der Förderung durch die Kulturstiftung Region Hannover sowie der Zusammenarbeit des Deutschen Historischen Institut in Rom (Musikgeschichtliche Abteilung) mit der Hochschule für Musik und Theater Hannover sowie der Fachhochschule Hannover (Fachbereich Kostümdesign) konnte SchülerInnen von 7 Schulen der Region Hannover (Klassen 5-13) durch eine langfristige didaktische Vorbereitung, gezielte Schulbesuche und einen anschließenden Musiktheaterbesuch mit Nachbereitung ein plastischer Eindruck des Zusammenspiels von Ästhetik, Politik und Geschichte in einer Musikkultur vermittelt werden, die trotz ihrer hohen kulturgeschichtlichen Relevanz über den Schulunterricht oder über das städtische Konzertprogramm kaum zugänglich ist.

Cosimo I. de' Medici wurde 1537 mit 17 Jahren Herzog von Florenz und damit Herrscher über eines der wichtigsten Handels- und Kunstzentren im damaligen Europa. Demzufolge war auch seine Hochzeit mit der 17jährigen Eleonora von Toledo im Sommer 1539 ein kulturpolitisches Ereignis von höchster Relevanz. Umzüge, Bankette und Schauspiele fanden vom 29. Juni bis zum 09. Juli statt und manifestierten Besuchern aus ganz Europa die Macht des Hauses.

Aus der musikhistorischen Kenntnis der Bedingungen des Renaissancefestes heraus wurden Teile der Intermedienmusik der Hochzeit von Cosimo de’ Medici und Eleonora da Toledo von 1539 ausgewählt, die als erste ihrer Art noch im selben Jahr als Druck vorgelegt wurde. Es handelt sich um 4- bis 6stimmige Madrigale, die vokal und mit instrumentaler Begleitung aufgeführt wurden. Sie zeichnen sich durch motettische, polyphone Arbeit, vor allem aber durch einen expressiven Umgang mit der poetischen Vorlage aus. Für die Intermedientradition typisch ist die Verwendung allegorischer, antikisierender Topoi zur Repräsentation des Fürstenpaars. Die Festmusik stammt größtenteils von Francesco Corteccia (1504-1571), der als Kapellmeister der Medici-Kirche San Lorenzo in Florenz im Dienst von Cosimo de’ Medici stand. Weitere zeitgenössische Tänze, Frottolen, Motetten und Madrigale aus dem historischen Wirkungsfeld der Beteiligten sind in das Programm eingebunden worden, um ein möglichst facettenreiches Bild der damaligen Musikkultur zu vermitteln. Dazu gehören u. a. Madrigale von Philippe Verdelot, politischer Gegner der Medici, von Jacques Archadelt und Canzoni von Heinrich Isaac aus dem Florentiner Kontext, sowie spanische Tänze und Gesänge, die den Einfluss der Braut Eleonora da Toledo versinnbildlicht.


Schülerinnen und Schüler der Region Hannover waren eingeladen, Musik und Tanz der Renaissancekultur innerhalb ihres Schulalltags auf besondere Weise zu erleben und zu erarbeiten. Eine Gruppe aus spezialisierten MusikerInnen und Studierenden hat 7 Schulen besucht und innerhalb der jeweils 2 Klassen/Lerngruppen pro Schule exemplarische Musikstücke, das Instrumentarium und deren historischen Hintergründe vorgestellt und gemeinsam mit den Schülern erarbeitet. Dafür sind im Vorfeld Konzepte für die Unter-/Mittelstufe und für die Oberstufe erarbeitet worden und im Februar umfangreiche Materialien an die einzelnen LehrerInnen verschickt worden. Es bestand die Möglichkeit, entweder nur mit weniger Aufwand die einzelnen Personenkarten, die für das Verständnis der Hochzeit relevant sind, den SchülerInnen zur Vorbereitung zu geben, die damit ein darstellendes Spiel vorbereiteten, oder aber schon im Vorfeld Zusatzmaterialien, zu den politischen, Musikgeschichtlichen, sozialen Hintergründen der Hochzeitsmusik und des Festes zu besprechen. Alle Gruppen haben in jedem Fall das Abschlussstück des Konzertes, den Bachantentanz „Bacco, bacco“ im Vorfeld einstudiert, mit Stimme und Instrumenten, das dann im Konzert gemeinsam gesungen wurde mit allen 300 Schülerinnen, dem weiteren Publikum und allen MusikerInnen. Darüber hinaus wurde die Klasse 6k der Ricarda-Huch-Schule über mehrere Wochen im April und Mai intensiv über Tanzproben einbezogen. Sie nahm gesammelt als Gefolge der Medici am Bühnengeschehen teil, war am Anfang und Schluss des Stücks aktiv mit Renaissancetänzen beteiligt. Drei Studentinnen der HMTH haben dafür die Einstudierung in enger Zusammenarbeit mit der Klassenleiterin Frau Ursula Jaesche übernommen.
Die Schulbesuche waren eng mit der Teilnahme an einem Abschlusskonzert verknüpft, zu dem alle beteiligten Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrenden im Saal der Hochschule für Musik und Theater Hannover eingeladen waren. In einem gut einstündigen Programm wurden Auszüge aus der historischen Musik der Medici-Hochzeit von 1539 musiziert, dargestellt und in eine ausgefeilte Dramaturgie eingebettet. Die Schülerinnen und Schüler haben Teile des Programms in ihrem größeren Zusammenhang wieder erkennen, aber auch neu erleben können: Dialoge mit den KünstlerInnen, Aktivitäten, die Bühne und Publikum verbinden, und eine ansprechende Handlung sorgten dafür, dass sie möglichst intensiv in das Programm eingebunden waren.
- Hochschule für Musik und Theater Hannover: Bereitstellung des Konzertorts (Probenräume, Bühne, Lichtregie, Technik), Beteiligung von Studierenden und Betreuung durch DozentInnen (Musikpraxis, Musikpädagogik, Musikwissenschaft, Schauspiel), Pressearbeit (Veranstaltungskalender, Pressemitteilung).
– Fachhochschule Hannover: Beteiligung zweier Studentinnen, die das Kostümdesign und Bühnenbild im Rahmen eines Studienprojekts gestalten; Pressearbeit.
– Studiengang Musiktheater Regie Hamburg: Vermittlung eines Absolventen zur Gestaltung der Regie.
– Deutsches Historisches Institut in Rom (Musikhistorische Abteilung). Bereitstellung der Leitung, Konzeption, wissenschaftlichen und pädagogischen Begleitung des Projekts. Öffentliche Dokumentation des Projekts im Herbst 2006 als Beispiel für die Verbindung von Musikwissenschaft, -pädagogik und -praxis mit Teilnahme einzelner Musiker und Tänzerinnen aus Hannover sowie Beteiligung der Fachgruppe Musikwissenschaft/Musikpädagogik der Gesellschaft für Musikforschung am 28./29.09. 2006.
An das Projekt sind Staatsarbeiten in den Fächern Musikwissenschaft/Musikpädagogik für das höhere Lehramt von mitwirkenden Studierenden angebunden, die die Dramaturgie und Didaktik mitgestaltet haben.
Verschiedene Publikationen begleiten das Projekt, u.a. Bericht auf der Hochschulseite der neuen musikzeitung im Herbst 2006; Berichte in den Hochschulzeitungen Pressto der HMTH und spectrum der FH Hannover (Sommer bzw. Herbst 2006), Planung der Veröffentlichung der didaktischen Materialien für Anfang 2007 bei einem Schulbuchverlag. An die öffentliche Veranstaltung im DHI Rom schließt sich eine Arbeitstagung der Fachgruppe Musikwissenschaft/Musikpädagogik der Geselleschaft für Musikforschung (Ltg. PD Dr. Andreas Waczkat) an, die zum Untertitel des Projekts (Liebe Macht Musik) tagen wird.
Zu den Schulbesuchen, den Proben und Aufführungen ist durch den Fotografen Christoph Catewicz (HMTH) eine umfangreiche Fotodokumentation sowie ein Film entstanden.
Wiederaufnahmen der Aufführung finden am 14. September Wasserschloss Hülsede und am 15. September in St. Marien, Winsen/Luhe, jeweils im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage statt.
Das Projekt wurde maßgeblich gefördert durch die Stiftung Kulturregion Hannover.
Weitere Förderungen kamen von dem Förderkreis der Hochschule für Musik und Theater Hannover, der Senatskommission für Frauenförderung der HMTH und dem Freundeskreis der Ricarda-Huch-Schule Hannover sowie allen beteiligten Institutionen.