Institutsgeschichte

Die Casa Tarpea auf dem Kapitol: erster Sitz der Historischen Station 1888-1890

Gegründet wurde das Institut 1888 als "Preußische Historische Station", sieben Jahre nach der Öffnung des Vatikanischen Archivs durch Papst Leo XIII. Nachdem Frankreich und Österreich vorausgegangen waren und die seit 1883 in Deutschland angeregte Gründung eines Historischen Instituts des Deutschen Reiches nicht zustandekam, gründete der größte deutsche Bundesstaat, Preußen, eine eigene Einrichtung, die zunächst als "Historische Station", ab 1890 als "Institut" bezeichnet wurde. Von 1888 bis 1903 wurden unter der Leitung von Konrad Schottmüller (1888-1890), Ludwig Quidde (1890-1892; er erhielt 1927 den Friedensnobelpreis), Walter Friedensburg (1892-1901) und Aloys Schulte (1901-1903) die beiden großen Institutsaufgaben in Angriff genommen, die noch heute fortgeführt werden: die Herausgabe der Nuntiaturberichte aus Deutschland und das Repertorium Germanicum. Beide sind eng verbunden mit dem unerschöpflichen Vatikanischen Archiv.

Supplikenregister Nr. 608, fol 34r-35v, vom 14. April 1467. Der Mainzer Erzbischof Adolf II. von Nassau erbittet von Papst Paul II. die Erlaubnis, in der Stadt Mainz ein "studium generale" einrichten zu dürfen.

Das Institut gibt seit 1898 eine wissenschaftliche Zeitschrift und seit 1905 eine Schriftenreihe heraus.
Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken
Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom

Paul F. Kehr

1903-1936 stand das Institut unter der Leitung von Paul F. Kehr. Er war seit 1896 durch die Sammlung der Papsturkunden bis 1198 in Italien bekannt geworden. Die Herausgabe dieser von der Göttinger Akademie betreuten Italia Pontificia war eng mit der Arbeit des Instituts verbunden.  Kehr gab dem Institut über die Auswertung des Vatikanischen Archivs hinaus als neue Aufgabe die Erforschung der in den italienischen und zumal toskanischen Archiven lagernden Bestände zur Reichsgeschichte. So kam es zur Zusammenarbeit mit den "Monumenta Germaniae Historica" (Kaiserurkunden, Reichssachen, Constitutiones) und dem Istituto Storico Italiano (Regesta Chartarum Italiae).

Die beiden Weltkriege und die jeweils darauf folgende Zeit schwierigster wirtschaftlicher Verhältnisse unterbrachen zwangsläufig die Arbeit des Instituts. Daß das Institut und seine Bibliothek vor Enteignung bewahrt blieben und beide Male ein Neuanfang gelang (Wiedereröffnung 1924 bzw. 1953), war auch dem Einsatz italienischer Freunde zu danken. Anfang der 1930er Jahre (Weltwirtschaftskrise) konnte die Schließung des Instituts nur mit Mühe abgewendet werden. 1935 wurde es von Preußen an das Deutsche Reich abgetreten und nun dem Reichsinstitut für ältere deutsche Geschichtskunde (Monumenta Germaniae Historica) eingegliedert. 1937 erfolgte die Umbenennung in "Deutsches Historisches Institut in Rom" und 1938 die vorübergehende Übernahme des Österreichischen Historischen Instituts.

Walther Holtzmann gelang seit der Wiedereröffnung 1953 die Anknüpfung alter und neuer Beziehungen zu den italienischen Kolleginnen und Kollegen und die Wiederaufnahme der Institutsarbeit im Sinne Kehrs, insbesondere die Fortführung der Nuntiaturberichte, des Repertorium Germanicum sowie der Abschluß der Italia Pontificia. Er förderte die Errichtung der Musikgeschichtlichen Abteilung (1960), die, nehmend und gebend, bald einen festen Platz in der italienischen Musikwissenschaft einnahm. Die Abteilung veröffentlicht in den 
Analecta musicologica in loser Folge Aufsatzbände und Monographien und in der Reihe Concentus musicus Editionen von Musikwerken.

In den Jahren 1962-1972 hat Gerd Tellenbach das Arbeitsprogramm und die Wirksamkeit des Instituts erweitert: stärkere Berücksichtigung des 19. Jahrhunderts, Erforschung der Beziehungen zwischen Faschismus und Nationalsozialismus, Wiederaufnahme der Arbeiten zur Reichsgeschichte der Toskana (darunter die inzwischen abgeschlossene Edition der frühmittelalterlichen Urkunden des Reichsklosters auf dem Monte Amiata), Durchführung von deutsch-italienischen Kolloquien über Themen der mittelalterlichen und neueren Geschichte und der Musikgeschichte.

Unter Reinhard Elze (1972-1988) erfolgte die Umstellung der Bearbeitung des Repertorium Germanicum auf EDV. Gleichzeitig wurde die Tätigkeit des Instituts im Bereich der neuesten Geschichte intensiviert (Herausgabe zweier Periodica durch Jens Petersen: Bibliographische Informationen und Storia e Critica). Seit 1974 fanden jährlich "Rom-Seminare" in Zusammenarbeit mit Professoren, Assistenten und Studenten jeweils einer deutschen Universität statt, die seit 1988 in anderer Form von den jährlichen Romkursen fortgesetzt werden. Eine enge Verbindung besteht ferner mit dem 1973 errichteten Italienisch-Deutschen Historischen Institut in Trient, mit der 1974 von Wolfgang Schieder (Köln) in Zusammenarbeit mit dem Institut gegründeten, jetzt in Nachfolge von Christof Dipper (Darmstadt) durch Gabriele Clemens (Saarbrücken) geleiteten Arbeitsgemeinschaft für die neueste Geschichte Italiens, und zeitweilig mit dem Institute of Medieval Canon Law in Berkeley, California, jetzt München.

Von 1988 bis 2001 war Arnold Esch Institutsdirektor. Von Mai 2001 bis September 2002 leitete Alexander Koller das Institut als kommissarischer Direktor.

Gemeinsam mit 9 weiteren geisteswissenschaftlichen Forschungsinstituten der Bundesrepublik ist das Deutsche Historische Institut in Rom, bis dato eine nachgeordnete Behörde unter dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, seit Juli 2002 in die Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA) eingegliedert. Zum zehnjährigen Jubiläum der Stiftung wurde diese am 1. Juli 2012 in Max Weber Stiftung - Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland umbenannt.

Von 2002 bis 2012 leitete Michael Matheus das Institut.

Seit Oktober 2012 amtiert Martin Baumeister als Institutsdirektor.