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Umweltgeschichte der pontinischen Ebene

Versuche, von Flüssen, Seen oder Meeren bedecktes Land urbar zu machen, lassen sich von der Antike bis zur Gegenwart nachweisen. Im Kontext von Überschwemmungen ergeben sich hier noch heute aktuelle Problemfelder und Herausforderungen.

Einen besonders geeigneten Untersuchungsraum, um Maßnahmen der Bonifizierung epochenübergreifend, interdisziplinär und vergleichend in den Blick zu nehmen, stellt die pontinische Ebene mit einer Fläche von rund 775 km² südlich von Rom dar. Sie reicht dort bis zum Golf von Terracina und wird im Nordosten bzw. im Osten von den Gebirgszügen der Monti Lepini und der Monti Ausoni begrenzt. Bis zur Zeit des Faschismus war diese Region zu weiten Teilen eine Sumpflandschaft (paludi pontine). Im Rahmen der umfassenden Bonifizierung in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Gebiet trockengelegt und vor allem mit Veteranen des Ersten Weltkrieges sowie Bauernfamilien aus Venetien und der Emilia-Romagna besiedelt. Innerhalb weniger Jahre wurden fünf Städte auf dem Reißbrett geplant und neu errichtet: Littoria (heute Latina), Sabaudia, Pontinia, Aprilia und Pomezia. Sie sind Teil des Transformationsprozesses einer Kulturlandschaft von außergewöhnlicher Dimension. Heute ist die pontinische Ebene eine der wichtigsten Agrarregionen Italiens und beherbergt mit dem Parco Nazionale del Circeo einen der ältesten Nationalparks auf der Peninsula.

Die Bonifizierung der Sümpfe hat eine lange Vorgeschichte. Das Gebiet, das bereits in vorrömischer Zeit unter den Volskern eine blühende Kulturlandschaft gewesen sein soll, versumpfte zumindest partiell schon während der Zeit der römischen Republik. Bonifizierungspläne unterschiedlichster Art und Qualität sind überliefert von Cäsar, Augustus, Trajan bis hin zum Gotenkönig Theoderich. Während des Mittelalters, der Renaissance und der Frühen Neuzeit befassten sich wenigstens 18 Päpste mit der Eingrenzung der Überschwemmungen bzw. der partiellen oder vollständigen Austrocknung der Sümpfe. Nach der Gründung des italienischen Nationalstaates gab es mehrere private und staatliche Initiativen. Nur die wenigsten Projekte führten zu nachhaltigen Ergebnissen, zumeist konnten allenfalls Teilerfolge von begrenzter Dauer erreicht werden. So erscheinen aus der Retrospektive all jene Versuche vor Mussolini, in dieser Region Umwelt zu beherrschen, Acker- und Siedlungsflächen zu kultivieren und für den Menschen nutzbar zu machen, als Bausteine einer Geschichte des Scheiterns.

In allen vorgesehen Teilprojekten finden vor allem vier Perspektiven Berücksichtigung:

  1. Quellenlage und die sich daraus ergebenden Erkenntnishorizonte
  2. Konflikte um Nutzungsalternativen
  3. Strategien und Lösungen
  4. Wahrnehmungsprozesse

Folgende Teilprojekte sind derzeit vorgesehen:

  • Klösterliche Bonfizierung an den Beispielen von Fossanova und Valvisciolo
  • Ninfa. Genese und Niedergang einer Stadt am Rande der Sümpfe 
  • Ninfa. Rekonstruktion einer mittelalterlichen Stadt im Süden Roms
  • Die Sümpfe der Päpste. Umweltwahrnehmung und Nutzungskonflikte in der pontinischen Ebene in der Frühen Neuzeit
  • Die Entdeckung der Sümpfe als Bildmotiv. Kunsthistorische Studien vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
  • Fra Diavolo oder Das Gasthaus zu Terracina, Komische Oper von Daniel-François-Esprit Auber. Eine musikgeschichtliche Studie 
  • „Canale Mussolini“. Die Bonifizierung der pontinischen Ebene in der Zeit des Faschismus