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Dr. Patrick Bernhard

Die Substanz der Achse? Die Beziehungen zwischen NSDAP und PNF, 1919-1945


Bis heute ist der Charakter der "Achse Berlin-Rom" in der Forschung umstritten. Während die einen im Bündnis der beiden Diktaturen eine reine Interessenkoalition auf Zeit sehen, die die Machtrivalitäten und gegenseitigen nationalistischen Ressentiments nur mühsam überdecken konnte, besaß der Pakt zwischen Mussolini und Hitler für andere durchaus Substanz. Das enge Bündnis der beiden Mächte und ihr gemeinsamer Kampf während des Zweiten Weltkriegs sei auch, so die Argumentation, von übereinstimmenden ideologischen Grundüberzeugungen getragen worden. In diesem Zusammenhang wird häufig auf das bis dahin beispiellos dichte Netz von bilateralen Kontakten verwiesen, das die beiden Diktaturen auf allen Ebenen - sei es Wirtschaft, Militär oder Staat - in den zehn Jahren zwischen der Machtergreifung Hitlers und dem Sturz Mussolinis knüpften.

Waren es nun tatsächlich diese Kontakte, die die Achse über Jahre hinweg trotz aller Schwierigkeiten und Belastungen zusammenhielten? Dieser grundlegenden Frage möchte das geplante Projekt zur Beziehungsgeschichte der NSDAP und dem Partito Nazionale Fascista (PNF) nachgehen. Mit den Parteien nimmt die Studie die zentralen politischen Organisationen der beiden Führerdiktaturen in den Blick, die sowohl in Deutschland als auch in Italien die Hauptinstrumente zur Herrschaftsdurchsetzung und zum Machterhalt darstellten. Was lernten die beiden Achsenpartner im Gefolge ihrer engen Beziehungen zudem voneinander und welche Spuren hinterließen diese Kontakte in Bereichen wie Propaganda, Ikonografie oder Gegnerbekämpfung? Einen besonderen Stellenwert wird hierbei die Frage nach der Vorbildfunktion des deutschen Antisemitismus für die italienischen Rassegesetze einnehmen. Inwieweit näherten sich die beiden Diktaturen durch die intensiven Kontakte schließlich im Verlauf ihrer immerhin über zehnjährigen gemeinsamen Geschichte einander an? Mit einer solchen transnationalen Beziehungsgeschichte in kulturgeschichtlicher Erweiterung lässt sich die bis heute nur unzulänglich beantwortete Frage zumindest ansatzweise klären, wie groß die Distanz zwischen Nationalsozialismus und Faschismus eigentlich gewesen ist.