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Dr. Roland Pfeiffer

Die Opernbestände der Bibliotheken römischer Fürstenhäuser: Erschließung und Auswertung

Mehrere römische Fürstenhäuser sind seit langem im Besitz zahlreicher Musikalien. Zwei von ihnen besitzen in ihren Privatbibliotheken eine große Anzahl von Abschriften berühmter Opern des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, einige davon Unikate.

Das von der DFG zunächst für zwei Jahre geförderte Projekt sieht vor, diese ca. 150 Partituren zu digitalisieren, zu archivieren und zu dokumentieren. Der dokumentarische Aspekt beansprucht deshalb einen hohen Stellenwert, da das Material in einem nicht unbeträchtlichen Teil vom Zerfall des Papiers bzw. durch die fortschreitenden Farbänderungen der Tinte bedroht ist. Geplant ist außerdem die Erstellung eines detaillierten Incipit-Verzeichnisses zwecks Betrachtung der Musik sowohl unter statistischen wie stilistischen Gesichtspunkten. Die Musikgeschichtliche Abteilung hat sich bereits in der Vergangenheit, insbesondere in der Person ihres vormaligen Leiters, Dr. Friedrich Lippmann, diesem wertvollen Quellenbestand gewidmet, der nun allerdings erstmals systematisch erfasst und für künftige Forschungen im Bereich Oper in Rom verfügbar gemacht werden soll. Dabei orientiert sich das Projekt in seinem nicht unbeträchtlichen technischen Teil an den allgemein gängigen Standards für die digitale Langzeitarchivierung von Handschriften. Die Partiturseiten werden einer unter konservatorischen Aspekten akzeptablen Beleuchtung ausgesetzt und mit einer qualitativ hochwertigen Digitalkamera einzeln fotografiert, wobei die Ergebnisse direkt auf dem verbundenen Computer sichtbar werden. Anschließend erfolgt eine fotografische Nachbearbeitung und die Speicherung der Daten auf dem Server des DHI. Eine einfache und übersichtliche Nutzung der Dateien soll durch die Einrichtung diverser Orientierungshilfen (z. B. Bookmarks) gewährleistet werden.

Im Rahmen des Forschungsprojektes soll auf der inhaltlichen Ebene an einer Untersuchung zu Form und Melodiegestaltung der Opernarie am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert gearbeitet werden. Im Hinblick auf den Austausch von Arien im Opernrepertoire der Zeit ist dabei zunächst die Methode der Feststellung der Häufigkeit von Relevanz: gefragt wird, welche Arien der Zeit einen derart starken Bekanntheitsgrad erlangten, daß sie im Repertoire deutlich häufiger vorzufinden sind. Die Frage nach den Ursachen dieser Wiederholungen führt zur Notwendigkeit, anhand dieser Arien stilistische Eigenschaften ausfindig zu machen, die am Ende des 18. Jahrhunderts Erfolg zu garantieren schienen.

Das Projekt beabsichtigt, einen Beitrag zur Schließung einer Lücke im Bereich der Opernforschung zu leisten: Die Bühnenwerke der italienischen Zeitgenossen Mozarts und Haydns rücken hier ins Zentrum des Interesses. Da sich diesen Opern eine Generation von Werken anschließt, deren Erfolg auch in der effektvollen Gestaltung der Melodielinie begründet liegt (man denke an die Werke Rossinis, Donizettis oder Bellinis), geht es ferner auch um einen Beitrag zur Erhellung der Ursprünge jener heute als "Belcanto" geläufigen Gesangskultur des beginnenden 19. Jahrhunderts.