Reichen Ertrag haben in den letzten Jahren Untersuchungen zu den tedeschi in Italien in Mittelalter und Renaissance erbracht. Studien, nicht zuletzt solche aus migrationsgeschichtlicher Perspektive, liegen in großer Dichte für Rom, aber auch für andere wichtige Siedlungsorte der Zuwanderer aus dem deutschsprachigen Raum bzw. aus dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches vor (etwa für Venedig, Florenz, Trient, Treviso etc.).
Dass im fraglichen Zeitraum die italienischen Universitäten von zahlreichen ultramontani aufgesucht wurden, ist eine bekannte Tatsache, die in der neueren Forschung aber nur vereinzelt Interesse gefunden hat (z. B. R. Gramsch, J. Schmutz, A. Sottili, A. Tervoort). Die jüngeren Studien konzentrieren sich zudem insbesondere auf die Hohen Schulen Ober- und Mittelitaliens. Die Anziehungskraft Roms, das mit der Sapienza und der Kurienuniversität immerhin zwei Universitäten aufweist, ist bisher für Studierende von jenseits der Alpen kaum untersucht worden. Insofern lässt sich die Bedeutung der römischen Universitäten im europäischen Kontext derzeit auch noch nicht bestimmen. Dieser Befund hängt entscheidend auch damit zusammen, dass die lokalen universitätsgeschichtlich relevanten Quellen zu einem großen Teil verloren sind. Erhebliche Verluste sind wohl bereits während des Sacco di Roma (1527) erfolgt.
Das vorliegende Projekt will Anstöße vermitteln, die Forschungen zu den tedeschi an italienischen Universitäten zu intensivieren. Es knüpft dabei an ältere Unternehmungen des Deutschen Historischen Instituts an, insbesondere an jene von Fritz Weigle und Hermann Diener. Unter forschungsgeschichtlichen Aspekten erscheint es notwendig und aufschlussreich, den historiographischen Kontext vor allem der Studien Weigles zu eruieren. Im Mittelpunkt des Interesses stehen aber die ultramontani, die den Studienort Rom aufsuchten. Der Terminus Studienort soll signalisieren, dass über Kurienuniversität und Sapienza hinaus auch andere Bildungseinrichtungen (Bibliotheken, Collegia, studia der Bettelorden, die Akademie des Pomponius Laetus, Humanistenzirkel) berücksichtigt werden.
Neben den eher spärlichen Quellen in römischen Archiven und Bibliotheken werden vor allem einige bisher kaum genutzte Informationsspeicher in den Blick genommen. Zum einen jenes (weit verstreute Material), das über Studierende in Rom in nordalpinen Archiven aufzuspüren ist. Zum anderen die zahlreichen Informationen über Studierende bzw. Akademiker, die sich an der römischen Kurie aufgehalten haben, und für welche die beiden Institutsunternehmungen das Repertorium Germanicum (RG) sowie das Repertorium Poenitentariae Germanicum (RPG) eine Fundgrube darstellen. Zahlreiche Studierende und Akademiker aus dem nordalpinen Raum finden sich ferner in Quellen des wichtigen Archivs von Santa Maria dell`Anima. Im Jahre 2006 beschäftigten sich die Referate einer internationalen Tagung mit der Geschichte dieser Einrichtung. Zentrale, auch für die Geschichte der hier interessierenden Akademiker interessante Quellen dieses Archivs sollen in den nächsten Jahren erschlossen werden.
Das Material zu den Ultramontani soll insbesondere für den Zeitraum ab 1450 in einer gesonderten Datenbank erfasst, gezielt ergänzt bzw. mit anderen Informationsspeichern (etwa den erhaltenen Universitätsmatrikeln im nordalpinen Raum) verknüpft werden. Frau Brigide Schwarz arbeitet derzeit bereits an einer Studie zu den römischen Universitäten vor allem für das 14 Jahrhundert und die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Auf der Basis der auf Rom konzentrierten Rekonstruktion akademischer Migration sollen schließlich insbesondere wechselseitige Prozesse kultureller Diffusion in den Blick genommen werden. Vor allem für die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts sowie für das beginnende 16. Jahrhundert gilt es, im Rahmen der Humanismusforschung einen Beitrag zur Verortung des Studienorts Rom im europäischen Kontext zu leisten.
Literaturhinweise:
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Michael Matheus/Anna Esposito, Maestri e studenti presso gli studia a Roma nel Rinascimento, con particolare riferimento agli studenti ultramontani, in: S. Andresen/R. C. Schwinges (Hrsg.), Über Mobilität von Studenten und Gelehrten zwischen dem Reich und Italien (1400 - 1600) - Della mobilità degli studiosi e eruditi fra il regno e l'Italia (1400 - 1600), Repertorium Academicum Germanicum (RAG) - Forschungen, Bd. 1, vdf-Verlag Zürich (ebook) (in Vorbereitung).
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