
Das DHI Rom fördert durch sein Engagement in den Digital Humanities den digitalen Wandel in den Geisteswissenschaften. Die Digital Humanities werden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Forschungsbereich DH, der Bibliothek, der IT-Abteilung und den fachwissenschaftlichen Projekten des Instituts gestaltet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Digital History, Digital Musicology sowie auf dem Aufbau, der Nutzung und der Weiterentwicklung digitaler wissenschaftlicher Dateninfrastrukturen der Bibliothek. Im Forschungsbereich DH verbindet das Institut fachwissenschaftliche Forschung mit der Entwicklung und Anwendung digitaler Methoden zur Erschließung, Aufbereitung und Analyse historischer Quellen. Seine Forschungsergebnisse stellt es der Öffentlichkeit im Sinne von Open Science in Form frei nachnutzbarer Datensammlungen, digitaler Editionen, Datenbanken sowie von Publikationen in Code- und Forschungsdatenrepositorien zur Verfügung.
Schwerpunkte
Grundlagenforschung und digitale Erschließung
Im Sinne eines quellenorientierten Ansatzes stehen die strukturierte Erschließung und die nachhaltige Aufbereitung historischer Überlieferung im Mittelpunkt. Ziel ist es, historische Quellen unter Verwendung etablierter Standards und Methoden der Digital Humanities – etwa TEI-basierter Editionsverfahren oder ontologiebasierter semantischer Datenmodellierung – so aufzubereiten, dass sie langfristig nachnutzbar und interdisziplinär anschlussfähig sind. Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf der digitalen Unterstützung langfristiger Grundlagenforschungsprojekte des Instituts, etwa prosopographischer Datensammlungen wie dem Repertorium Germanicum oder verschiedener digitaler Editionsprojekte.
Angewandte Forschung: Digitale Methoden und historische Fragestellungen
Neben der Grundlagenforschung verfolgen die Digital Humanities einen anwendungsorientierten Ansatz. Dies umfasst etwa die Anwendung und Entwicklung digitaler Technologien und Infrastrukturkomponeneten, die mit Hilfe KI-basierter Verfahren das kollaborative Erschließen großer Forschungskorpora erleichtern sollen. Exemplarisch für diese Ausrichtung steht das DFG-geförderte eResearch-Projekt HisQu oder auch die Entwicklung innovativer Methoden und Standards zur Kodierung multimodaler Informationsebenen, wie sie im Rahmen von Tanz/Musik Digital für die Analyse von Musik- und Tanzquellen erarbeitet werden.
Zum anderen dienen digitale Methoden als Instrumentarium zur Beantwortung konkreter historischer Forschungsfragen. Hier fungieren Projekte wie Graceful17 oder GEMENE-ST als Fallstudien, in denen digitale Verfahren operativ eingesetzt werden – etwa um die Effizienz kurialer Verwaltungspraktiken zu quantifizieren oder die Rolle genuesischer Kaufläute im transatlantischen Sklavenhandel mithilfe datengestützter Analysen neu zu bewerten.
Digitale Editionen
Digitale Editionen in Form von digital-born und hybriden Editionen bilden seit 2005 einen wesentlichen Schwerpunkt am DHI Rom. Die Editionen folgen dabei dem Prinzip der Trennung von Präsentations- und Datenschicht. Während in der gedruckten Edition Datenmodell und Darstellung untrennbar miteinander verbunden sind, ermöglicht die digitale Edition eine Repräsentation der Quellen sowohl als hermeneutische Präsentationsoberfläche in Form des edierten Textes als auch als epistemische Datenstruktur, die auch in anderen Forschungsszenarien nachgenutzt werden kann. Die nach diesem Prinzip formal modellierten Quellen stellen wir über geeignete (REST-)Schnittstellen oder als eigenständige Forschungsdatensätze bereit.
Zu den zentralen Editionsvorhaben des DHI Rom zählen die Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis, die Briefedition Ferdinand Gregorovius, die Edition König Ludwig I. von Bayern und des römischen Kunstagenten Johann Martin von Wagner sowie die aktuell entstehende Edition des Dienstkalenders Benito Mussolinis.
Bibliothekarische DH
Neben den klassischen Bibliotheksaufgaben trägt die Bibliothek des Instituts in enger Zusammenarbeit mit der IT und der DH-Forschung zur Bereitstellung digitaler Infrastrukturen bei. Dabei verfolgt sie den Ansatz, bibliothekarische Erschließung, digitale Bestandspflege und wissenschaftliche Informationsverarbeitung in gemeinsamen, nachhaltig angelegten Infrastrukturen zusammenzuführen. Ein Beispiel hierfür ist die Entwicklung der Digital Collection Plattform, die auf dem internationalen IIIF-Standard für digitalisiertes Kulturgut basiert und gemeinsam mit dem römischen Bibliotheksverbund URBiS realisiert wird. Ergänzt wird der infrastrukturelle Ansatz durch einen umfassenden Retrodigitalisierungsservice, der die gesamte Prozesskette von der Digitalisierung über Bildbearbeitung und Metadatenanreicherung, OCR- und HTR-gestützter Texterkennung bis hin zur Publikation umfasst.
Forschungsdatenmanagement
Das Management von Forschungsdaten hat in den letzten Jahren auch in den Geisteswissenschaften erheblich an Bedeutung gewonnen. Das DHI Rom unterstützt seine Forschenden mit Beratungs- und Schulungsangeboten zu allen Fragen des Forschungsdatenmanagements und stellt geeignete Plattformzugänge für die nachhaltige Publikation und Nachnutzung von Daten bereit. Dazu gehören eine eigene Forschungsdaten-Community auf Zenodo sowie ein GitHub-Repositorium. Darüber hinaus engagiert sich das DHI Rom in den geisteswissenschaftlichen NFDI-Konsortien 4Memory, 4Culture und TextPlus und wirkt damit an der Entwicklung gemeinsamer Standards und nachhaltiger Forschungsinfrastrukturen aktiv mit.

